Forum21 veröffentlicht konstruktive Anregungen zur Verbesserung der Notfall- und Katastrophenschutz-Vorsorge für die Bevölkerung der Stadt Reinbek

 

Forum21- kommunalpolitische Initiative für Reinbek

Fraktion in der Stadtverordnetenversammlung Reinbek

Vorsitzender: Heinrich Dierking, Stadtverordneter, Op den Stüben 42, 21465 Reinbek

Tel. 040-7201056 d  040-7105138 p  Fax 040-71098001  www.forum21-reinbek.de  eMail fraktion@forum21-reinbek.de

 

 

 

Reinbek, den 24.09.2019

 

 

 

Anregungen zur Verbesserung der Notfall- und Katastrophenschutz-Vorsorge für die Bevölkerung der Stadt Reinbek

 

 

 

Am 04.09.2019 von ca. 09:00 Uhr bis ca. 23:30 Uhr mussten die Bewohner der westlichen Wohngebiete Neuschönningstedts ihre Wohnungen/Häuser aufgrund der Lage im 1.000-m-Umkreis der Bombenentschärfung in Glinde verlassen, nachdem am Vortag eine Fliegerbombe in Glinde entdeckt worden ist.

 

 

 

Die Räumung der Reinbeker Wohngebiete ist relativ störungsfrei verlaufen, die Bewohner haben sich vorbildlich verhalten und Einsicht in das Erfordernis einer Räumung ihrer Wohnung und der damit verbundenen Beeinträchtigung des gewohnten Tagesablaufs gezeigt.

 

 

 

Nach unserer örtlichen Erfahrung haben die Ehrenamtler in den Reinbeker Ortswehren und im Deutschen Roten Kreuz durch ihren Einsatz bei der Sicherung und Betreuung der Bewohner einen sehr guten Job gemacht und die volle Wertschätzung und Respekt verdient.

 

Dies dürfte sicher auch für die hier tätigen Polizeikräfte der eingesetzten „Hundertschaft“ sowie für die in Glinde arbeitende Einsatzleitung gelten.

 

 

 

Großen Respekt bekunden wir auch dem Kampfmittelräumdienst des Landeskriminalamtes S-H  für die sachgerechte Bombenentschärfung in 21509 Glinde am  03./04.09.2019.

 

 

 

Durch diesen unerhofften-unerwarteten „Notfall“ mit seinen unabdingbaren Behinderungen und Beschränkungen der persönlichen Mobilität und des Aufenthalts ist sicher Allen in der Region in Erinnerung gerufen worden, wie zerbrechlich unsere Sicherheit ist - und wie lebensnotwendig die Tätigkeit des Kampfmittelräumdienstes und der KatSchutz-Kräfte/Hilfsorganisationen ist!

 

 

 

Unsere durch die Bombenräumung auch persönlich betroffenen Stadtverordneten Heidrun Tacke und Leona Timm haben aufmerksam den Verlauf der Räumung und den Einsatz der KatSchutz-Kräfte im Bereich Gertrud-Lege-Schule, Stadtplatz und Begegnungsstätte Neuschönningstedt beobachtet und haben auch betroffenen Nachbarn mit Rat und Tat zur Seite gestanden.

 

 

 

Bezugnehmend auf Hinweisen aus der betroffenen Bevölkerung sowie aufgrund eigener Betroffenheit und Beobachtung hat die Forum21-Fraktion verschiedene Aspekte der Alarmierung und Räumung diskutiert und zum Thema „Notfall- und Katastrophenschutz – was sollte verbessert werden“ am 20.09.2019 ein „Bürgergespräch“ durchgeführt.

 

 

 

Wir richten die nachstehenden Anregungen und Verbesserungs-Vorschläge

 

  • an den Kreis Stormarn als Katastrophenschutzbehörde,
  • an die Stadt Reinbek,
  • an das Landeskriminalamt S-H,
  • an die Gemeindefeuerwehr Reinbek,
  • an die Kreiswehrführung sowie an die Technische Einsatzleitung des Kreisfeuerwehrverbandes
  • und an das Deutsche Rote Kreuz Kreisverband Stormarn

 

und bitten um Berücksichtigung bei zukünftigen Notfällen und Katastrophen.

 

 

 

1.)  Alarmierung per eMail, online und „analog“

 

 

 

Wir regen an, die örtlichen Sirenen zur Alarmierung einzusetzen, um so auch Personen zu informieren, die nicht über eMail und Internet erreichbar sind.

 

 

 

Sinnvoll ist der Aufbau und die Vorhaltung eines eMail-Verteilers, um das Netzwerk zivilgesellschaftlicher Organisationen zu erreichen und zur Weiterinformierung zu veranlassen.

 

 

 

Notwendig scheint es auch zu sein, zur Räumung über eine Informationstafel / „Wandzeitung“ / Aushang im betroffenen Wohngebiet und Stadtteil zu informieren und hier zu jedermann Einsicht die Straßenliste mit den betroffenen Hausnummern zu veröffentlichen.

 

 

 

Die Alarmierung und Informierung über Lautsprecher-Durchsagen sollte verbessert werden und frühzeitig erfolgen.

 

 

 

Nicht wenige Bewohner sind durch die Online-Informierung nicht erreicht worden.

 

Auch nicht wenige Bewohner haben ihre jeweilige Betroffenheit – möglicherweise aufgrund missverstandener Informationen (z.B. „nur die andere Straßenseite soll im 1000-m-Umkreis liegen“ – nicht erkennen können.

 

Ein Aushang in Mitteilungskästen oder an der Begegnungsstätte wurde vermisst.

 

Zu berücksichtigen ist auch, dass die Reichweite örtlicher Medien in der Gesellschaft zunehmend abnimmt.

 

Hinweis aus dem Wohngebiet: Lautsprecher fuhr zu schnell durch das Wohngebiet, Durchsage zu leise – zu schnell – unverständlich.

 

 

 

 

 

2.)  Informierung über die Räumung und zum Verhalten während der Räumung

 

 

 

Für die Zeit der Vorbereitung und der Räumung sollte eine örtliche Hotline (mit ausreichender Kapazität)  tags und nachts vorgehalten werden.

 

 

 

Auf der städtischen Homepage ist ein barrierfrei zugänglicher Live-Ticker – möglichst auf der HOME-Startseite – und zumindest mit Vorlese-Funktion einzurichten und fortlaufend zu aktualisieren.

 

 

 

Umfang, Zeiten und Änderungen zur Räumung sollten auch örtlich an Informationspoints (z.B. Begegnungsstätte, z.B. Schule) in Druckform veröffentlicht werden.

 

 

 

In einem Notfall-Konzept sollten die vorgesehenen Aufenthalts- und Betreuungs-Räume frühzeitig veröffentlicht werden.

 

 

 

Informationssuchende konnten über angegebene Telefon-Nummern keine Informationen erhalten, da nicht erreichbar. Das Glinder Bürger-Telefon wusste nichts zur Räumung in Reinbek.

 

Auf der städtischen Homepage ist am Nachmittag des Räumungstages ein Live-Ticker installiert worden.

 

Die zeitliche Fortdauer der Räumung (zuerst waren nur wenige Stunden angekündigt) ist zahlreichen Bewohnern lediglich durch „Hörensagen“-Ketten  zur Kenntnis gekommen.

 

Es war vielen nicht klar, in welchen öffentlichen Gebäuden und Räumen Aufenthalte möglich waren.

 

 

 

 

 

3.)   Verpflegung und Betreuung während der Räumung

 

 

 

Verpflegung auf unterschiedliche Ansprüche und auch auf medizinische Bedürfnisse kranker/älterer Bewohner einrichten.

 

 

 

Ruhe-Möglichkeiten, Liegen und Feldbetten in veröffentlichten Ruhe-Räumen einrichten und vorhalten.

 

 

 

Die Bevölkerung sollte über die persönliche „Notfall-Vorsorge“ (z.B. Notfall-Rucksäcke mit Medikamenten und Ersatzkleidung) gemäß den Empfehlungen der zuständigen Bundesbehörde per Postwurfsendung aufgeklärt werden.

 

 

 

Interessierte Personen und zivilgesellschaftliche Organisationen einbinden und Mitwirkung bei der Betreuung ermöglichen.

 

 

 

Die angebotene Verpflegung konnte verständlicherweise in der Kürze der Zeit nicht auf alle persönlichen/gesundheitlichen Ansprüche ausgerichtet werden. Das Verpflegungs-Konzept sollte überprüft werden:  In einem Stadtteil mit auch muslimischen Bewohnern ist es erforderlich, auch deren Konsumgewohnheiten zu berücksichtigen.

 

 

 

Mehrere Ältere und mobilitäts-beeinträchtigte Bewohner bedurften wegen der zunehmenden Dauer der Räumung auch Ruhe- und Liege-Möglichkeiten.

 

Einige Bewohner sind in persönliche „Schwierigkeiten“ gekommen, weil sie z.B. keine Notfall-Versorgung mit persönlichen Medikamenten mit sich führten.

 

 

 

Mehrere Bewohner haben nachträglich mitgeteilt, dass sie gern bei der Betreuung und Verpflegung hilfreich tätig sein würden, jedoch nicht wussten/wissen wie und wo. Diese Ressource sollte genutzt werden zur Unterstützung der ehrenamtlichen Einsatzkräfte.

 

 

 

4.)  Einsatz der Ehrenamtlichen und deren Ersatz durch „frische Kräfte“

 

 

 

Zugetragen wurde, dass die Ehrenamtler der DRK-Hilfsorganisation von 06:00 Uhr bis weit in den Abend ununterbrochen im Einsatz tätig waren.

 

Sollte dies zutreffen, dann sollte das Einsatz-Konzept überprüft und auf einen frühzeitigen Ersatz/“Schichtwechsel“ ausgerichtet werden.

 

 

 

Bei der Gemeindewehr Reinbek scheint es diesen Schichtwechsel gegeben zu haben.

 

 

 

 

 

5.)  Ausreichend Zeit für die Vorbereitung einer Räumung vorsehen

 

 

 

Es sollte geprüft werden, die Bombenentschärfung und die hierfür erforderliche Räumung von Wohngebieten nicht unmittelbar am auf die Entdeckung der Bombe folgenden Tag durchzuführen, sondern z.B. erst am übernächsten Tag – soweit dies durch die Gefahrenlage und Gefährdungs-Abschätzung zu rechtfertigen ist.

 

 

 

Betroffene Bewohner hätten dann die Möglichkeit, für den Tag der Bombenentschärfung sich bei Verwandten/Bekannten auswärtig aufzuhalten und könnten die „Nachteile“ der Räumung so umgehen; betroffene Familien, Schulen, Kitas und sonstige Einrichtungen könnten sich angemessen auf die Lage der Räumung einrichten und vorbereiten.

 

 

 

6.)  Örtliches Notfall- und Vorsorge-Konzept … sowie weitere Anregungen…

 

 

 

Angeregt wird, nicht unmittelbar von der Räumung betroffene Schulen, KiTas und öffentliche Einrichtungen nicht für den Tag der Räumung zu schließen, sondern den Betrieb fortzuführen.

 

 

 

Somit könnten die Beeinträchtigungen der Familien vermindert werden…

 

 

 

Angeregt wird, die Gemeindewehrführung erarbeitet federführend zusammen mit den Hilfsorganisationen ein örtliches Notfall-und Vorsorge-Konzept, das die erforderlichen Einsatzkräfte, Abläufe, Informationswege, verfügbaren Ruhe- und Aufenthaltsräume usw. darstellt und der Bevölkerung vorstellt.

 

 

 

Angeregt wird, örtliche Notfall-Übungen im ein- bis mehrjährigen Rhythmus durch zu führen und die Bevölkerung an dieser Übung zu beteiligen.

 

 

 

Die Bevölkerung sollte auf die Nutzung von Warndiensten (NINA, KatWarn) hingewiesen werden.

 

 

 

 

 

Über eine Rückäußerung zu unseren konstruktiven Anregungen und Vorschlägen würden wir uns selbstverständlich freuen.

 

 

 

 

 

 

 

Heinrich Dierking     Heidrun Tacke     Leona Timm