Forum21 - Frauen

Beirat des Forum21 politische Vereinigung in Stormarn e.V.

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Reinbek 04.04.2002
Erträge der Sertürnerstiftung für die Unterstützung, Beratung und Zuwendung an alte, einsame und hilfsbedürftige Reinbeker Bürger verwenden !

Beim monatlichen Frauen-Stammtisch haben wir schon häufig über die Sertürner-Stiftung diskutiert.

Der Notar Dr. Karl Sertürner und seine Frau Ilse hatten vor mehreren Jahren ihr Vermögen in Höhe von 1,4 Millionen Euro der Stadt Reinbek mit der Verpflichtung übereignet, die Erträge einsamen und hilfsbedürftigen alten Menschen zukommen zu lassen.

Um dem Testament zu entsprechen, sollte eine Stiftung gegründet werden.

Dies nahm jedoch sehr viel Zeit in Anspruch. Die zwei geerbten Häuser standen teilweise leer, notwendige Renovierungsarbeiten wurden nicht durchgeführt. 

Wir hatten wieder und wieder nachgefragt, wann die Stiftung nun endlich gegründet werden kann.

Nun ist es soweit, die Gründung steht kurz bevor, nachdem die Stiftungsaufsicht / Landesregierung die vom Hauptausschuss beschlossene Stiftungssatzung genehmigt hat.

Die Teilnehmerinnen unseres Frauen-Stammtisches am 03. April 2002 konnten sich leider nicht darüber uneingeschränkt freuen:

In der Osterausgabe der Bergedorfer Zeitung war zu lesen, dass Bürgermeister Detlef Palm darüber nachdenkt, das Sertürner-Haus am Schmiedesberg zu verkaufen, um von dem Ertrag ein neues Gebäude als Seniorenzentrum am Völckers Park zu bauen.

Diesem Ansinnen widersprechen wir ganz energisch, denn mit einem neuen Seniorenzentrum ist zahlreichen Bürgerinnen und Bürgern nicht geholfen.

Die einsamen, hilfsbedürftigen, armen alten Menschen sind in der Regel zu Hause anzutreffen. Viele sind nicht mehr „mobil“ und nehmen leider kaum am gesellschaftlichen Leben teil. Betroffen von Einsamkeit und Armut im Alter sind sehr häufig Frauen, da sie in der Regel finanziell schlecht gestellt sind. Es ist bekannt, dass viele alleinlebende Frauen ihre Wohnung kaum noch verlassen.

Hier sollte eine Lücke geschlossen werden, die früher die Gemeindeschwester (die es nicht mehr gibt) oder die Kurzzeitpflege (die es auch nicht mehr gibt) zumindest teilweise ausgefüllt haben.

Wir meinen, dass die Erträge der Sertürner-Stiftung vorwiegend eingesetzt werden sollten für unmittelbare Unterstützung, Beratung und Zuwendung an einsame, hilfsbedürftige arme alte Menschen. Wir können uns auch vorstellen, mit dem Ertrag ehrenamtliche und Teilzeit-Kräfte zu finanzieren, die sich vor Ort und mit Hausbesuchen um hilfsbedürftige alte Menschen kümmern.

Auf keinen Fall sollte mit der Stiftung ein Neubau finanziert werden. In Anbetracht der z.T. wenig genutzten öffentlichen Gebäude scheint uns ein Neubau eines Seniorenzentrums auch wirklich nicht das Wichtigste für Reinbeks Senioren zu sein. Das Ehepaar Sertürner dürfte auch kaum an den Neubau eines Seniorenzentrums gedacht haben.

Es bleibt auch fraglich, ob mit den Erträgen der Stiftung Haushaltslöcher der Stadt gestopft werden können oder Aufgaben finanziert werden sollten, zu denen die Stadt ohnehin verpflichtet ist bzw. die sie derzeit schon wahrnimmt.

Wir hoffen, dass das Kuratorium der Stiftung den Neubau-Vorschlag des Bürgermeisters nicht weiter verfolgt und dem Stiftungszweck entsprechend § 2 der Satzung gerecht wird:

„(2) Zweck der Stiftung ist die Altenhilfe zugunsten alter, einsamer und hilfebedürftiger Menschen (...).

(3) Der Satzungszweck wird insbesondere verwirklicht durch

- die Unterstützung älterer Personen (...), die wegen der durch das Alter herabgesetzten körperlichen oder geistigen Fähigkeiten notwendig ist. (...)

- eigene Projekte und soziale Aktivitäten (...), um eine Vereinsamung und Hilfebedürftigkeit älterer Menschen zu verhindern bzw. zu beheben.“ (§ 2 der Stiftungsatzung).

Heidrun Tacke